Distanzreiten - ja was ist denn das ???

Seltsam, dass diese Pferdesportdisziplin in Deutschland so unbekannt ist. Träumen doch die meisten Reitanfänger davon, wie in den Büchern und Filmen stundenlang durch herrliche Landschaften zu reiten oder mit anderen um die Wette zu galoppieren. Genau das bietet der Distanzsport!
 

Allgemeines

Distanzreiten ist sozusagen der "Marathon zu Pferd". In Deutschland wird diese Disziplin vom Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer (VDD), einem Anschlussverband der FN, vertreten. International läuft diese Sparte als "Endurance Riding" und zählt zu den sieben FEI- Disziplinen. So wurde im Rahmen der Weltreiterspiele 2006 in Aachen auch die Weltmeisterschaft im Distanzreiten über 160 km ausgetragen.
 

Distanzreiten - DIE die Disziplin für das Lauftier Pferd

Wenn man bedenkt, dass Wildpferdeherden durchaus mal über 50 Kilometer am Tag zurücklegen, ist ein sog. Einführungsritt (25 - 39 km) nicht gerade weit für das hochspezialisierte Lauftier Pferd - egal wie endlos diese Strecke dem Reiter auf dem ersten Distanzritt erscheinen mag. Daher ist das Distanzreiten eigentlich die natürlichste Disziplin für Pferde, und gerade auf Einführungsritten trifft man sämtliche Pferderassen an. Erwähnt seien hier die Distanzponys, die durch ihre Gelassenheit und Zähigkeit sowie jahrelang kontinuierliche Leistung beeindrucken, desweiteren hoch im Blut stehende Pferde wie die Araber, die eben seit Jahrhunderten auf Härte, Schnelligkeit und Ausdauer gezüchtet werden und den Spitzensport dominieren.
 

Geschichte

Diese genannten Eigenschaften sind nämlich genau die Aspekte, die die Menschen immer schon an den Pferden geschätzt haben. Ohne die Fähigkeit der Pferde, unter dem Sattel oder vor der Kutsche Langstrecken zu überwinden, wäre die Weltgeschichte sicher anders verlaufen. Ihnen fallen sicher viele Beispiele für gewaltige Feldzüge ein, die ohne Pferde nicht möglich gewesen wären. So waren Distanzritte im 19. Jahrhundert wie Berlin-Wien, Wien-Budapest rein militärische Veranstaltungen. Dabei wurden die Pferde nicht gerade zimperlich behandelt, viele bezahlten den Ehrgeiz ihres Reiters mit dem Leben. Daher haben im modernen Distanzsport, wie er sich seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, tierärztliche Kontrollen einen wichtigen Platz.
 

Tierarztkontrollen

Um eine Überforderung des vierbeinigen Partners zu verhindern, müssen die Pferde also mehrmals eine strenge tierärztliche Kontrolle bestehen. Bereits vor dem Start überprüfen Distanztierärzte die Pferde. Bei Unregelmäßigkeiten bekommt man keine Starterlaubnis. Auf der Strecke folgen weitere Kontrollen, dabei muss u.a. der Puls des Pferdes innerhalb 20 Minuten unter 64 Schläge sinken. Gut trainierte Pferde erreichen die erforderlichen Pulswerte schon nach wenigen Minuten, Pferde, die schneller gelaufen sind als es ihr Trainingszustand erlaubt, fallen den erfahrenen Tierärzten auf und werden, falls notwendig, auch aus der Wertung genommen. Dabei versuchen die Tierärzte, die Pferde schon zu eliminieren, bevor es größere Probleme gibt. Ein falscher Tritt kurz vor der Kontrolle, eine leichte Taktunreinheit, und der Ritt kann für einen beendet sein. Viele Laien sind über die vergleichsweise hohen Ausfallquoten entsetzt, doch die meisten Pferde sind kurze Zeit nach der Kontrolle wieder in Ordnung. Aber Vorsicht ist ja bekanntlich besser als Nachsicht. Auch nach dem Zieleinlauf werden die Pferde nochmals gründlich durchgecheckt und notfalls aus der Wertung genommen.
 

Der Weg ist das Ziel!

Wer also als erster über die Ziellinie galoppieren möchte, muss sein Pferd sehr gut kennen und gelernt haben, dessen Leistungsvermögen richtig einzuschätzen. Erst einmal muss man mit einem gesunden und zufriedenen Pferd die Strecke besiegen, ehe man daran denken darf, die anderen Reiter zu besiegen. Besonders bei internationalen Ritten, wo die Durchschnittsgeschwindigkeit je nach Gelände über 20 km/h beträgt, ist professionelles Training und großes Wissen nötig, um eine vordere Platzierung zu erreichen. Die meisten Distanzreiter haben eine Crew dabei, die den Pferde unterwegs Futter, Wasser und Elektrolyte gibt und in den Pausen die Versorgung des Pferdes übernimmt, damit auch der Reiter sich erholen kann.
Die Distanzreiter messen sich ebenso wie die große Masse von anderen Ausdauersportlern, seien es Marathonläufer oder Triathlethen, in erster Linie an den selbst gesetzten Zielen. Unter den Distanzreitern herrscht eine große Kameradschaft und Hilfsbereitschaft. Viele sehen einen Sieg nur als das Tüpfelchen auf dem "i" und nehmen sich das Motto "Angekommen ist gewonnen" zu Herzen und genießen es einfach, im lockeren Trab durch die Natur zu streifen und einen wunderbaren Tag mit Gleichgesinnten und dem Partner Pferd zu verbringen. 
 

Also, sehen wir uns demnächst auf einem Distanzritt?